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TV NEWS – American Vandal – Aufstieg des Phallus-Künstlers

TV NEWS – American Vandal – Aufstieg des Phallus-Künstlers

Ein Phallus für zwei

Von Johanna Dürrholz

American Vandal
Dickes Ding: In American Vandal tauchen an einer Highschool plötzlich lauter Peniskritzeleien auf. (Foto: Tyler Golden/Netflix)
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„American Vandal“ macht sich über Highschool-Serien und True-Crime-Dokus gleichermaßen lustig und ist dabei hinreißend komisch. Aber trägt das gleich eine ganze Staffel?

In jeder Cheerleader-Halle versteckt sich ein intrigantes Miststück, auf jedem Football-Feld ein heimlicher Homosexueller und hinter jeder vermeintlich besorgten Lehrermiene ein medikamentenabhängiges Psychowrack. Serien wie Glee oder 13 Reasons Why suggerieren, dass das Konstrukt der amerikanischen Highschool fragil ist – und das nicht nur ziemlich glaubwürdig, sondern auch extrem erfolgreich. Daran knüpft Netflix nun an.

Mit American Vandal vereint der Streamingdienst gleich mehrere beliebte Genres: Highschool-Drama trifft bissige Satire im Gewand einer True-Crime-Doku. Die Mischung ist nicht nur neuartig, sie ist brillant. Wäre da nicht die Handlung.

Wer hat die Penisse gemalt?
Dylan ist ein Hänger, ein notorischer Schulschwänzer, Kiffer und selbsterklärter Prank-Liebhaber. Ein Prank, das ist ein practical joke, ein Streich also, und derer spielt Dylan mithilfe seiner Gang „The Way-Back-Boys“ einige. Er hat sogar einen eigenen Youtube-Kanal, auf dem seine Scherze dokumentiert werden. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass sämtliche Lehrer und Schüler der Hanover Highschool an Dylans Schuld glauben, als eines Tages der wohl größte Prank der Highschool-Geschichte verübt wird: Alle Fahrzeuge des Lehrpersonals wurden beschmiert. Mit großen, roten Penissen. Und wer ist der größte Phallus-Künstler der Schule? Natürlich Dylan. Er wird suspendiert, obwohl er kurz vor seinem Abschluss steht – und seine Unschuld beteuert.

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Zwei Mitschüler glauben ihm und beschließen, den Phallus-Fall selbst zu lösen. Ihre Recherchen veröffentlichen sie im Stile einer True-Crime-Dokumentation und die ist es auch, die wir sehen. Für Kenner eben solcher Shows wie Making a Murderer ist das zunächst hinreißend komisch. Denn hier geht es nicht um das Aufrollen eines realen Mordfalls mit wirklichen Opfern und echt betroffenen Angehörigen. Hier geht es um einen dummen Schülerstreich, um einen plumpen und sich über Generationen hinweg hartnäckig haltenden Spaß: Peniskritzeleien. Doch die von den Autos haben keine Schambehaarung, wie die beiden Nachforschenden registrieren – das erste Indiz für Dylans Unschuld.

Eine gelungene Persiflage mit ungeschönt blöder Handlung
Doch American Vandal geht noch einen Schritt weiter, als bloß eine derzeit besonders populäre Seriengattung zu verballhornen. Die Sendung hinterfragt. Als Peter, einer der investigativen Schülerreporter, von einer Mitschülerin angeblafft wird, er hätte sich in all ihre Leben eingemischt und vielen dadurch geschadet, da beschließt er, diesen Zwischenfall in die Doku aufzunehmen. Sein Kommentar: „Sie hat Recht. Wir haben Menschen zu Unrecht beschuldigt und Dinge aufgedeckt, die nichts mit dem Fall zu tun haben.“ Zweifelsohne ist das eine Anspielung auf die Machart von Crime-Reportagen, die häufig recht tendenziös daherkommen. American Vandal spiegelt die unfreiwillige Ironie der True-Crime-Sprache deutlich, wenn Peter mit todernster Stimme feststellt: „Sie schickten Dylan nicht vor Gericht, sondern zu seiner Exekution.“ Was für eine Highschool-Anhörung dann doch recht hoch gegriffen ist.

Aber reflektieren die Serienmacher damit auch gleich die True-Crime-Tradition von Netflix? Als Peter nach seinem Vorhaben gefragt wird, gibt er den Podcast Serial als Vorbild an, nicht etwa eine der Netflix-Produktionen. Die Kritik trifft dadurch eher ein ganzes Genre – ohne dass Netflix besonders selbstkritisch sein muss. Und American Vandal hat noch ein viel schwerwiegenderes Problem: Gleichwohl die Serie mal witzig ist und mal lakonisch hinterfragend, erzählt sie einen ungeschönt blöden Plot. Gewiss, die Macher selbst weisen immer wieder darauf hin, wie „unglaublich dumm“ das alles klingen müsse. Das macht die Handlung jedoch nicht besser. Sie kreist um vorrangig flach gezeichnete Charaktere, die vor allem eines gemein haben: ihre klischeehafte Überzeichnung.

Ja, bei American Vandal handelt es sich um eine gelungene Persiflage auf ein Genre, dessen Schwächen und Gefahren gekonnt karikiert werden. Doch das ist nach genau einer Folge klar. Und eigentlich will man gar nicht wissen, wie es weitergeht. Es ist egal, wer für die Schmierereien verantwortlich ist, und es ist nicht wirklich von Belang, welcher Lehrer mit welcher Mutter ein Techtelmechtel hatte. Echte Konsequenzen gibt es in der Fiktion schließlich nicht – im Gegensatz zu einer True-Crime-Doku. Und so schadet sich die Serie am Ende selbst: Eine Satire auf ein Genre, das nur von seiner Wahrhaftigkeit lebt, kann nicht funktionieren. Zumindest nicht über acht Episoden hinweg.

Von Johanna Dürrholz

American Vandal, bei Netflix.

Quelle: sueddeutsche.de

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